📘 BLAUWAL DER ERINNERUNG

Verges­se­ner Held

❀ Ich mag Tanja Maljart­schuks Bücher, denn die Autorin kippt in ihren Texten stets ein bisschen ins Surreale – aber immer gerade soviel, dass es ihre Geschich­ten belebt. 
Dieses Buch der Autorin, das 2019 erschien, hatte ich schon einmal begon­nen – doch dann ging es sich mit der Leihfrist nicht aus.
Traurig, dass es ausge­rech­net ein Krieg in der Ukraine ist, der mir wieder ins Gedächt­nis rief, dass da noch ein Buch auf meiner Ferti­g­le­sen-Liste steht. Zu meiner großen Verwun­de­rung war das Buch frei – und diesmal habe ich es dann in 2 Nachmit­ta­gen gelesen.

🔖 Inhalt: In “Blauwal der Erinne­rung” verknüpft Maljart­schuk das Leben einer jungen Frau, die sich aufgrund ihrer Panik­at­ta­cken immer mehr von der Welt zurück­zieht und ihr Haus schließ­lich gar nicht mehr verlässt, mit dem des in Verges­sen­heit gerate­nen ukrai­ni­schen Unabhän­gig­keits­kämp­fers Wjatsches­law Lypyn­skyj. 
Die beiden sind am selben Tag geboren, zwischen den beiden Geburts­ta­gen liegen exakt 100 Jahre. Sonst verbin­det sie eigent­lich nichts, nicht einmal die Natio­na­li­tät, denn Lypyn­skyj war Pole.
Maljart­schuk beschreibt den Lebens­weg des Publi­zis­ten und Diplo­ma­ten Lypyn­skyj, der schon früh an Tuber­ku­lose litt und 1931 schließ­lich in einer Heilan­stalt in Öster­reich starb, mit viel Einfüh­lungs­ver­mö­gen und Humor. So erfah­ren wir, dass Lypyn­skyjs Ehe alles andere als glück­lich war, denn seine Frau hielt nicht viel vom Lebens­wunsch ihres Mannes, mit seiner neuen Familie in die “Papmpa” in der Ukraine zu ziehen, und kam nie nach. Lypyn­skyj, der sich selbst als Ukrai­ner sah, wurde von den meisten seiner Zeitgenoss:innen verspot­tet, selbst die Ukrai­ni­sche Sprache wurde von den meisten bloß als Dialekt betrach­tet.
Was die beiden dann doch verbin­det: die Recher­chen der jungen Frau. Denn die Erzäh­le­rin ist Schrift­stel­le­rin. Und sie forscht zu Wjatsches­law Lypyn­skyj. Und verlässt ihr Haus schließ­lich doch, um sich auf Spuren­su­che zu begeben. 

💬 Meine Meinung: Maljart­schuks Roman lässt uns in die Geschichte der Ukraine eintau­chen – und auch immer wieder schmun­zeln, was ihr gerade durch die Verknüp­fung der beiden Handlungs­stränge in gelingt. 

📚 Stadt­bi­blio­thek Graz 📻 7shoG 29.3.

Titel: Blauwal der Erinne­rung
Autorin: Tanja Maljart­schuk
Überset­zung aus dem Ukrai­ni­schen: Maria Weisen­böck
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Publi­ka­ti­ons­jahr: 2019
ISBN: ISBN: 978–3‑462–05220‑6   Seiten: 288
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