📘 LÜGEN­TOCH­TER

🐚 Inhalt:
Piper ist von DENEN entführt und von ihrer Familie getrennt worden. Sie ist jetzt in einem fremden Haus einge­schlos­sen, bei einer Frau, die sie nicht leiden kann. Piper kann nur Wider­stand leisten, indem sie hungert und nicht spricht. Die Pillen, die man ihr verschreibt, sammelt sie Tag für Tag unter ihrem Kissen. Denn Piper weiß aus den Schrif­ten ihres Vaters: Psycho­phar­maka wurden erfun­den, um die Menschen schwach und manipu­lier­bar zu machen.
Der Roman, der sich auf insge­samt 315 Seiten abspielt, ist in  52 kurze Kapitel geglie­dert, die abwech­selnd “Danach” und “Davor” spielen. In den Kapiteln, die vor dem Eingrei­fen des Jugend­am­tes stehen, lebt Piper mit ihren jünge­ren Geschwis­tern und beiden Ziehbrü­dern Thomas und Cas auf dem Gelände eines ehema­li­gen Vergnü­gungs­parks. Piper schwimmt gerne im See, sie ist eine gute Schwim­me­rin, das war sie immer schon. Und das ist auch gut so, denn ihr Vater überprüft regel­mä­ßig ihre Schwimm­zeit, schließ­lich muss Piper fit sein. Denn der Krieg – angezet­telt vom ameri­ka­ni­schen Präsi­den­ten selbst – kommt bald.
Pipers Aufgabe ist es, sich um die jünge­ren Geschwis­ter zu kümmern.  Mutter und Vater sind fast nie da, die beiden leiten schließ­lich die weit entfernte “Kolonie” – die den Kindern als Paradies mit riesi­gen Getreide- und Gemüse­fel­dern, auf denen pesti­zid­freie Nahrung angebaut wird, erklärt wird. Wenn Vater und Mutter kommen, dann müssen die Kleider sitzen. Und die Haare müssen blondiert sein, denn einen Nachwuchs duldet die Mutter nicht, immer­hin sollen sie doch alle ausse­hen wie eine Familie. Die Haarfär­be­rei – eine schonungs­lose Proze­dur, die bei einer von Pipers Schwes­tern aller­gi­sche Reaktio­nen hervor­ruft – überneh­men “die Tanten”, die auf die Kinder aufpas­sen.
Piper bewun­dert ihren Vater, der so viel Gutes für die Mensch­heit tut,  sie eifert ihm nach und kämpft um seine Anerken­nung. Vor allem aber kann sie ihre Initia­tion kaum erwar­ten, denn sie möchte sich endlich für Vaters Sache engagie­ren. Umso mehr verstört es sie, dass ihr Ziehbru­der Thomas, der seit kurzem in der Kolonie arbei­tet, plötz­lich zu zweifeln scheint. Und dann ist da Cas, Thomas’ Bruder, den Piper unerlaub­ter­weise küsst, obwohl sie für einen anderen bestimmt ist …

💬 Meine Meinung: Durch die beiden Zeitebe­nen, die drama­tur­gisch geschickt mitein­an­der verwo­ben werden, wird das Buch bald zu einem Psycho­thril­ler. Denn man möchte natür­lich wissen, was sich zwischen “Davor” und “Danach” genau ereig­net hat. Außer­dem glaubt Piper fest daran, dass auch die kleine Amy, die ebenfalls im Haus wohnt und die Frau “Mama” nennt, aus der Kolonie entführt hat. 
Die Autorin zeigt in ihrem Buch, wie schwer es ist, die in der Kindheit und Jugend einge­trich­ter­ten Glaubens­sätze infrage zu stellen. Vor allem aber greift das Buch ein Thema auf, das für Jugend­li­che (selbst für jene, die nicht in Sekten aufge­wach­sen sind)  ein überaus Wichti­ges ist. Nämlich die Frage, ob man eine andere Meinung vertre­ten darf, obwohl man seine Eltern liebt. Und ob man Eltern lieben darf, die Böses getan haben.
Und ein bisschen kitschige Liebes­ge­schichte ist natür­lich auch dabei. 🙂 Vor allem aber fand ich dieses Buch unheim­lich spannend und auch toll geschrieben.

Im Nachwort verrät die Autorin im Übrigen, in ihrer späte­ren Kindheit und Jugend selbst in einer Sekte aufge­wach­sen zu sein. Sie selbst hatte das Glück, ausstei­gen zu dürfen. 

📚 Stadt­bi­blio­thek Graz

Titel: Lügen­toch­ter
Autorin: Megan Cooley Peter­son
Übersetzt aus dem Engli­schen: Sandra Knuffinke, Jessika Kumina
Genre: Jugend­buch
Verlag: Magel­lan
Publi­ka­ti­ons­jahr: 2021
ISBN: 978–3‑7348–5051‑6
Seiten: 320
Alter: ab 13
» zum Buch

Kommentar verfassen