🔫 ZUAGROAST

Titel: Zuagroast
Autorin: Martina Parker

❀ Martina Parker war eine der Autor*innen in der Anthologie “Radieschen von unten”. Da ich ihre Gartenkrimis noch nicht kannte, wollte ich unbedingt Teil 1 lesen. Zuagroast kam dann auf zwei Wegen zu mir. Als E‑Book-Leihgabe der AK-Bibliothek – und noch während ich las, lag das Buch plötzlich im offenen Buchregal meines Schwimmbads. (Hat etwa irgendwer meinen Blog gelesen und es für mich dorthin gelegt? 😉)

🔖 Inhalt: Paul, der windige Architekt, dessen Ruf im Nordburgenland schon ziemlich zerstört ist (weil die noble Ferienhaussiedlung am Neusiedlersee doch nicht so toll ist wie versprochen), ist mit seiner Frau Eva und der gemeinsamen Tochter ins Südburgenland geflüchtet. 
Das neue Haus sieht aus wie ein typischer Architektentraum: kühl, futuristisch, mit viel Glas – eine Art gestrandetes Raumschiff also, allerdings mit romantischer Note rundherum (weil Eva für die Gartengestaltung zuständig ist).
Wenn Paul nicht gerade krumme Geschäfte einfädelt, dann betrügt er seine Eva. Und das eigentlich schon seit sie zusammengekommen sind. Im Moment treibt er es mit der silikonbrüstigen Bürgermeistersgattin. Oder aber, er trifft sich mit der geheimnisvollen Vicky, die manchmal sehr heiß sein kann und dann wieder kühl und abweisend wirkt. (Aber Vicky heißt ja auch nicht Vicky, und dass sie Paul trifft, hat einen Grund …)
Ach, dieser Paul. Der ist schon ein Widerling. Er betrügt seine Eva nämlich nicht nur, sondern kommandiert sie auch noch die ganze Zeit rum, und das in einem ziemlich derben Tonfall. (“Geh weida” ist da noch das netteste Wort, das er an sie richtet). Und wenn Eva nicht spurt, dann kann es schon mal vorkommen, dass Paul gewalttätig wird.
Aber Eva ist jetzt Mitglied eines Gartenclubs. Dort lernt sie nicht nur die alleinerziehende Journalistin Vera und den Inkaerde-Frauenschwarm Finz kennen, sondern erfährt auch allerlei Wissenswertes über (Gift)Pflanzen …

💬 meine Meinung: Klatsch und Tratsch, Betrug, falsche Brüste, windige Machenschaften, toxische Beziehungen und giftige Rachepläne. Und sehr viel Pflanzenwissen. Und natürlich das Südburgenland.
Das sind die Zutaten von Zuagroast. 
Und es ist ja auch ein Bestseller geworden (war auch so geplant von der Autorin).
Das Besondere an diesem Buch: Jedes Kapitel fängt mit einer kleinen Lektion aus der Tier- und Pflanzenwelt an. So erfährt man die verrücktesten Dinge, wie etwa, dass man für eine Tasse Maikäfersuppe 30 Käfer braucht. Oder dass Stubenfliegen das Essen mit ihren Füßen schmecken können.

Im Grunde ist es in Zuagroast ein bisserl wie in den Desparate Housewives. Das Geheimnis wird erst nach und nach gelüftet, die Vergangenheit der Hauptfiguren wird Schicht für Schicht abgetragen. Davor geht es erst mal lange um die Machenschaften des Paul. Und um sein Sexleben. Wann Paul mit wem und wo und wer das weiß und wer nicht. Und ob die Silikonbusige ein Arschgeweih hat oder nicht … Dazwischen gibt’s Lektionen über Heil- und Unkräuter, Seifen und Kompost. 
So richtig in die Handlung hineingekippt bin ich persönlich erst, als Eva endlich aus ihrer Opferrolle herausgekommen ist. Dann aber hatte ich einen Heidenspaß. Mit der neugierigen Nachbarin in Evas Haus etwa. Und auch mit dem Engelstrompetenwasser und den weiteren Entwicklungen in der südburgenländischen Wisteria Lane …
Ich selbst lag dabei sicher im Schwimmbad. 
Und noch am selben Abend, nachdem ich das Buch zugeklappt hatte, gab´s dann sogar eine unerwartete Gartenbesichtigung.
“Unsere Blumen wachsen wegen der vergrabenen Leichen so schön”, meinte die Gartenbesitzerin. Sie hatte Zuagroast ebenfalls gelesen. 

AK Bibliothek/ Overdrive ⾙ offenes Buchregal

Titel: Zuagroast
Autorin: Martina Parker
Genre: Regionalkrimi (Südburgenland)
Verlag: Gmeiner
Publikationsjahr: 2021
ISBN: 978–3‑8392–0095‑7–2 
Seiten: 507
> Verlag / Leseprobe

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