🛋️ KURZPROSA am SONNTAG

Titel: Erzählen gegen Armut (Anthologie)
Herausgeberin: Lisa Höllebauer

“Problem ist die Dosierung. Die muss hoch genug sein, weil sonst ewiges Hin und Her und Abwarten, entsetzlich. Aber die neue Spritze ist eine von denen, die an einem Kabel hängen mit Druckluft dahinter, jedenfalls geht es dann mit am elegantesten. Geht direkt ins System. Alternative wäre festbinden und am Hund herumdrücken und drängen, Venenzugang finden und so weiter, mach das mal Jahre lang, da gehst du kaputt. Aber wenn die Frau Ulrike kommt und mit ihnen rennt und sie durch die Klamm jagt und voll stopft mit Gourmet, dann kommen sie und hecheln und das Herz geht schnell und es verteilt sich alles schneller.”

aus: Clemens Setz. Die Letzte-Tag-Frau. In “Erzählen gegen Armut”, Anthologie, Hg. von Lisa Höllebauer, Forum Stadtpark 2022. ISBN: 978–3‑901109–75‑1.

Heute habe ich mir endlich die Zeit genommen und die letzten Geschichten in der Anthologie “Erzählen gegen Armut” gelesen. Wenn du vielleicht die Juni-Sendung von 7shoG verfolgt hast, hast du ja schon etwas über die Entstehungsgeschichte erfahren und 3 Textauszüge aus dem Band gehört, eine Rezension von mir wird es dann noch auf dem Blog unserer Literaturzeitschrift & Radieschen geben.
Soviel kann ich aber vorab schon mal verraten: Die Geschichten im Buch sind so unterschiedlich wie die darin vertretenen Autor:innen selbst.
Als sehr berührend und aufwühlend und vor allem sprachlich spannend empfand ich den Text von Lucia Leidenfrost (vor allem ihre Lesung im Literaturhaus Graz war toll). Irene Diwiaks Geschichte “In unserem Zimmer war es eigentlich erträglich” erzeugte bei mir absolutes Gänsehautfeeling, von Stephan Roiss habe ich erfahren, dass die Erde von 13 Großmüttern beschützt wird und Barbara Rieger bot mir wie immer ein intensives Leseerlebnis.
Zum Sonntag hat auch die Geschichte von Mercedes Spannnagel gut gepasst, in der es darum geht, dass so ein Pfarrerleben auch nicht gerade einfach ist.
Den Textauszug von Clemens Setz habe ich gewählt, weil ich Setz einfach mag – vor allem seine schrägen Kurzgeschichten liebe ich heiß (sein “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes” ist mein am häufigsten gelesener Kurzgeschichtenband).
Der lustigste Textanfang im Band ist allerdings der von Martin Peichl. Sein Beitrag heißt “Offene Sytseme, wie wir” und beginnt so:

“Wenn es ein Mädchen wird, dann können wir es nicht nach einer Frau benennen, mit der ich irgendwann einmal geschlafen habe, dann braucht sie unbedingt einen anderen Namen.”

Ich hoffe, du hast jetzt so richtig Lust auf das Buch! Mit dem Kauf unterstützt du übrigens das Hilfsprojekt “Kinder auf der Flucht” vom SOS-Kinderdorf. Bestellen kannst du die Anthologie auch direkt bei der Herausgeberin Lisa Höllebauer, hier geht es zur Website zum Buch: http://www.ega.hoellebauer.com

Die Anthologie “Erzählen gegen Armut” versammelt Kurzgeschichten von Irene Diwiak, Katharina J. Ferner, Valerie Fritsch, Lisa Krusche, Lucia Leidenfrost, Martin Peichl, Benjamin Quaderer, Barbara Rieger, Stephan Roiss, Clemens J. Setz, Mercedes Spannagel und Barbara Zeman. 

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