šŸ“˜ DIE DRINGĀ­LICHĀ­KEIT DER DINGE

TrockeĀ­ner Jurist und lebensĀ­hungĀ­rige ItalieĀ­neĀ­rin? ā€“ Markus GrundtĀ­ner spielt in seinem DebĆ¼tĀ­roĀ­man mit Klischees 

ā€ Markus GrundtĀ­ners amĆ¼sante Texte mit jurisĀ­tiĀ­schem Einschlag kannte ich bereits aus unserer LiteraĀ­turĀ­zeitĀ­schrift & RadiesĀ­chen. Nun hat der Autor sein RomanĀ­deĀ­bĆ¼t verƶfĀ­fentĀ­licht. Ein LiebesĀ­roĀ­man? Nun, vielleicht doch nicht ganz!

šŸ”– Inhalt:
Mathias Grandt ist 27 und steht am Beginn seiner JurisĀ­tenĀ­laufĀ­bahn. Gerade hat er sein VorstelĀ­lungsĀ­geĀ­sprƤch in seiner Traum-Kanzlei hinter sich, als er an einem offenen BuchreĀ­gal Klaudia begegĀ­net, die sich von ein paar BĆ¼chern trennt. Als Mathias nach Italo Svevos ā€œZenos GewisĀ­senā€ greift, stellt Klaudia allerĀ­dings fest, dass sie das Buch lieber doch behalĀ­ten mƶchte. JurisĀ­tisch gesehen ist das allerĀ­dings nicht so einfach, denn das Buch befinĀ­det sich ā€“ streng genomĀ­men ā€“ nicht mehr in ihrem Besitz, wie Mathias ihr erklƤrt.
So beginnt die rasante LiebesĀ­geĀ­schichte, die vor allem von den wunderĀ­bar witziĀ­gen (ƤuƟerst paragraĀ­fenĀ­lasĀ­tiĀ­gen) DialoĀ­gen lebt. 

Klaudia, 10 Jahre Ƥlter als Mathias, ist schon halb auf dem Weg in ihre HeimatĀ­stadt Triest, und zwar fĆ¼r immer. Ihr Leben in Wien verlief nƤmlich ganz und gar nicht so, wie sie es sich vorgeĀ­stellt hat, wesweĀ­gen sie nun auf der Flucht ist ā€“ zurĆ¼ck in eine VerganĀ­genĀ­heit, in der noch alles gut war. Mathias wiederum wartet auf seine strahĀ­lende Zukunft. Genauer gesagt: auf 18 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt nƤmlich wird derjeĀ­nige, der den Job in der Kanzlei bekommt, per Telefon benachĀ­richĀ­tigt.
Und doch landen die beiden an diesem Abend in Triest ā€“ und bald schon in einem gemeiĀ­naĀ­men Leben, inkluĀ­sive ā€œGlĆ¼cksĀ­verĀ­tragā€ ā€¦

GrundtĀ­ner spielt mit Klischees, wie sie in vielen LiebesĀ­roĀ­maĀ­nen bedient werden ā€“ und offenĀ­sichtĀ­lich auch in AnwaltsĀ­seĀ­rien. Da ist ein junger Jurist, der fĆ¼r jede SituaĀ­tion einen trockeĀ­nen GesetĀ­zesĀ­text bereitĀ­hƤlt und dessen Anzug immer gebĆ¼gelt aussieht. Und dann ist da die feurige, lebensĀ­hungĀ­rige ItalieĀ­neĀ­rin, bei der selbst die Dinge einen Wohnort haben, und die Mathias lehrt, das Leben zu nehmen, wie es kommt und nicht immer alles so verkrampft zu sehen. 
Bei jeder anderen LiebesĀ­geĀ­schichte wĆ¼rde es hier nun rosarot romanĀ­tisch werden ā€“ nach einer Reihe von massiĀ­ven MissverĀ­stƤndĀ­nisĀ­sen, versteht sich. GrundtĀ­ner schlƤgt einen anderen Weg ein. Er stellt den beiden nichts in den Weg, nicht einmal Klaudias Ex. Mathias und Klaudia werden ein Paar, Mathias hat seinen Job in der Kanzlei, Mathias zieht bei Klaudia ein. Und dann schlƤgt das Leben zu, wie es das nun einmal tut. Der Job in der Kanzlei entwiĀ­ckelt sich anders als in Mathiasā€™ StudenĀ­tenĀ­trƤuĀ­men, und Klaudia, die einen Partner fĆ¼rs Leben braucht, beginnt Mathias nach ihren VorstelĀ­lunĀ­gen zu formen. So kommt es, dass er nach einem langen ArbeitsĀ­tag noch ItalieĀ­nisch lernen, sich romanĀ­tiĀ­sche LiebesĀ­erĀ­klƤĀ­runĀ­gen ausdenĀ­ken und sich sogar von seinen LieblingsĀ­tasĀ­sen trennen muss. Und das AutofahĀ­ren soll er gefƤlĀ­ligst auch mƶgen. Kein Wunder also, dass Mathiasā€™ To-do-Liste immer mehr wƤchst und sein Akku immer schnelĀ­ler leer wird. Dabei wartet noch eine ganz andere HerausĀ­forĀ­deĀ­rung auf ihn ā€¦

šŸ’¬ Meine Meinung:
Der Autor Ć¼berzeichĀ­net die PersoĀ­nen in seinem DebĆ¼tĀ­roĀ­man stark, sodass man der Geschichte der beiden und ihrem SchlagĀ­abĀ­tausch durchĀ­aus amĆ¼siert folgt. Dennoch mƶchte man an mancher Stelle auch rufen: Lauf, Mathias! Lauf so schnell und weit, wie du kannst! (Denn ja, auch JurisĀ­ten haben manchĀ­mal Mitleid verdient.)
Doch Mathias lƤuft nicht.
Ob es Liebe ist, was die beiden verbinĀ­det? Das muss wohl jede:r Leser:in fĆ¼r sich selbst entscheiĀ­den. GrundtĀ­ner jedenĀ­falls hƤlt sich strikt an das LiebesĀ­roĀ­manĀ­konĀ­zept ā€“ bis zum ā€œHappy Endā€. 

Fazit: Eine LiebesĀ­roĀ­manze, wie man sie bestimmt noch nie gelesen hat ā€“ und eine LeseempĀ­fehĀ­lung fĆ¼r alle, die es mƶgen, wenn mit Klischees gespielt und mittels ParagraĀ­fen gestritĀ­ten (oder besser gesagt vergliĀ­chen) wird. 

Titel: Die DringĀ­lichĀ­keit der Dinge
Autor: Markus GrundtĀ­ner
Verlag: edition keiper
PubliĀ­kaĀ­tiĀ­onsĀ­jahr: 2022
ISBN: 978ā€“3ā€‘903322ā€“55ā€‘4
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