šŸ›¹ Wie wir die Welt retten wollten ā€¦

ā€¦ UND DABEI AUS VERSEĀ­HEN DAS BERNSTEINĀ­ZIMĀ­MER FANDEN

šŸš Inhalt:
Man erkennt es bereits am Cover: Hier agiert eine ganze KinderĀ­bande. EigentĀ­lich sind es die GeschwisĀ­ter HimmelĀ­weit. Emmi, die Ich-ErzƤhĀ­leĀ­rin ist 12, ihre SchwesĀ­ter Sofi ist 16 (und hat schon einen Freund), Sam ist 14, Jo ist 10, Hummel ist 7 und die kleine Lany ist 5. Und dann gibt es noch den FamiliĀ­enĀ­hund Bella. Und natĆ¼rĀ­lich Mama, die halbtags arbeiĀ­tet und sich um Haushalt, Hof und Kinder kĆ¼mmert, und Papa, der als MedienĀ­inĀ­forĀ­maĀ­tiĀ­ker sogar CompuĀ­terĀ­spiele programĀ­mieĀ­ren kann.
Ziemlich tradiĀ­tioĀ­nelle RollenĀ­verĀ­teiĀ­lung also, auch ist es eine sehr christĀ­liĀ­che Familie (es wird viel gebetet). Dennoch sind die HimmelĀ­weits durchĀ­aus moderne Eltern, wie man sie jedem Kind nur wĆ¼nschen kann, denn die beiden lassen ihrem Nachwuchs viel Freiheit, setzen auf Vertrauen und mischen sich nicht in GeheimĀ­nisse ein. Und GeheimĀ­nisse gibt es zu FerienĀ­beĀ­ginn genug. 
Dabei fƤngt alles ganz harmlos an.

EigentĀ­lich mƶchte Emmi nur eine Petition starten, um zu erwirĀ­ken, dass die LebensĀ­mitĀ­tel nicht mehr in so viel Plastik verpackt werden. Doch das mit der UnterĀ­schrifĀ­tenĀ­liste stellt sich als grĆ¶ĆŸere HerausĀ­forĀ­deĀ­rung dar als gedacht. Der Erste, der Emmi die TĆ¼r ƶffnet, ist nƤmlich ausgeĀ­rechĀ­net ihr heimliĀ­cher Schwarm Luka (der dann natĆ¼rĀ­lich noch eine grĆ¶ĆŸere Rolle spielen wird). WƤhrendĀ­desĀ­sen werden ihre BrĆ¼der, die vor dem SuperĀ­markt auf die Petition aufmerkĀ­sam machen, gleich mal vom MarktĀ­leiĀ­ter vertrieĀ­ben. Und das aus gutem Grund, denn der Mann hat ganz schƶn viel Dreck am Stecken, wie sich noch herausĀ­stelĀ­len wird.

Und so fĆ¼hrt das eine zum anderen. Zum Beispiel dazu, dass Bella angefahĀ­ren wird. Oder auch dazu, dass Jo in den Teich fƤllt ā€“ denn auch bei den HimmelĀ­weits wird natĆ¼rĀ­lich gestritĀ­ten und geschubst. Und in eben diesem Teich stĆ¶ĆŸt Emmis Bruder gegen eine seltsame Kiste. Ob sie einen Schatz enthƤlt? Und was hat der griesĀ­grƤĀ­mige alte MĆ¼ller mit der Kiste zu tun? Ganz schƶn unheimĀ­lich, vor allem, als die Kinder dann noch von SchĆ¼sĀ­sen erfahĀ­ren, die in der Gegend einmal gehƶrt wurden.  Aber die GeschwisĀ­ter sind natĆ¼rĀ­lich viel zu neugieĀ­rig, um locker zu lassen, und so stecken sie schon bald in groƟer Gefahr ā€¦

šŸ’¬ Meine Meinung
Anni E. Lindner hat einen spannenĀ­den KinderĀ­krimi geschrieĀ­ben, der vor allem durch seine liebensĀ­werĀ­ten CharakĀ­tere besticht. Als Leserin bin ich sofort in die Handlung gekippt, besonĀ­ders gut fand ich die Idee, dass Emmi mich immer wieder direkt ansprach und ins Vertrauen zog (immerĀ­hin gibt sie ja so einiges preis, das wir Leser:innen natĆ¼rĀ­lich niemanĀ­dem verraĀ­ten dĆ¼rfen, schon gar nicht ihrem Schwarm Luka).
Die SƤtze sind einfach aufgeĀ­baut, das Buch ist flott und mit Humor geschrieĀ­ben, und auch die Probleme / Ƅngste der Kinder werden realiĀ­tƤtsĀ­nah dargeĀ­stellt. Die IllusĀ­traĀ­tioĀ­nen (nicht die modernsĀ­ten, aber sehr lieb) frischen den Text zusƤtzĀ­lich auf, vor allem das Cover ist toll ā€“ ein groƟes Lob an dieser Stelle an die GrafiĀ­keĀ­rin, einen so langen Titel anspreĀ­chend zu gestalĀ­ten, muss man mal schaffen. 

Dennoch haben mich ein paar Dinge gestƶrt. So heiƟt es zu Beginn, Sofis Freund sei fĆ¼r 3 Monate in Amerika, mittenĀ­drin wird aus diesen 3 Monaten aber plƶtzĀ­lich ein ganzes Jahr. Auch der angebĀ­lich umweltĀ­schoĀ­nende Tipp, als GroƟfaĀ­miĀ­lie das Geschirr lieber mit der Hand abzuwaĀ­schen, anstatt in den GeschirrĀ­spĆ¼Ā­ler zu rƤumen, hat mich irritiert, denn davon raten Expert:innen nun doch schon seit einigen Jahren ab.
Vor allem aber habe ich mich gefragt, warum die Autorin nicht bei der UmweltĀ­theĀ­maĀ­tik geblieĀ­ben ist, anstatt ā€“ durch den Fund des BernsteinĀ­zimĀ­mers ā€“ das doch sehr sensiĀ­ble Thema NatioĀ­nalĀ­soĀ­ziaĀ­lisĀ­mus aufzuĀ­maĀ­chen. ZugegeĀ­ben, es war genau dieser Spagat, der mich neugieĀ­rig gemacht hat. LetztĀ­endĀ­lich aber werden sowohl die ErmorĀ­dung derjeĀ­niĀ­gen, die das BernsteinĀ­zimĀ­mer angelieĀ­fert haben, als auch der Holocaust in nur wenigen NebenĀ­sƤtĀ­zen abgehanĀ­delt. Und genau hier sehe ich die ProbleĀ­maĀ­tik des Buches. Zumal der Krimi ganz genauso spannend gewesen wƤre, wenn die Kinder sich allein um die geheime MĆ¼lldeĀ­poĀ­nie gekĆ¼mĀ­mert hƤtten. 

Fazit:
ā€œWie wir die Welt retten wollten und dabei aus VerseĀ­hen das BernsteinĀ­zimĀ­mer entdeckĀ­tenā€ ist kurzweiĀ­lig und spannend geschrieĀ­ben, sodass ich das Buch trotz meiner EinwƤnde empfehĀ­len mƶchte. AllerĀ­dings rate ich Eltern, das Buch mitzuĀ­leĀ­sen, um ihre Kinder mit eventuĀ­elĀ­len Fragen nicht alleinzulassen. 

šŸ–‹  von ANNI E. LINDNER
šŸ““ KinderĀ­krimi ab 10 Jahre
šŸŒæ  THEMA: UmweltĀ­schutz, KunstĀ­raub wƤhrend der Nazizeit

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