šŸ”« EIN GIRO IN TRIEST

ā€ Es ist ein bisschen eine Schande, dass ich noch nie einen Klinger gelesen habe. Dabei stand er spƤtesĀ­tens seit den LiebenĀ­den von der Piazza Oberdan ganz oben auf der Liste ā€“ aber diese Merk- und WunschĀ­zetĀ­tel sind ja bekanntĀ­lich immer viel zu lang, und kaum hat man mal ein Zehntel geschafft, kommen schon die nƤchsĀ­ten BĆ¼cher raus.
Diesmal aber hatte ich GlĆ¼ck, das WunschĀ­buch war schnell frei und so landete es erst gar nicht auf dem MerkzetĀ­tel, sondern gleich im BĆ¼cherĀ­saĀ­ckerl šŸ™‚

šŸ”– Inhalt:
Triest, im Juni 2014.
Alles beginnt mit einem SelbstĀ­mord. Bei der am Baum aufgeĀ­knĆ¼pfĀ­ten SoldaĀ­tenĀ­leiĀ­che passt zwar so einiges nicht, wie IspetĀ­tore Lamprecht findet, aber die anderen schĆ¼tĀ­teln bei seinen BemerĀ­kunĀ­gen nur den Kopf. Nein, nein, das sei doch ganz eindeuĀ­tig, er verrenne sich da in etwas, auƟerĀ­dem sei die AngeleĀ­genĀ­heit sowieso Sache des MilitƤrs. Selbst der MediziĀ­ner, dem doch eigentĀ­lich die LeichenĀ­fleĀ­cken aufgeĀ­falĀ­len sein mĆ¼ssten, wimmelt ihn unwirsch ab.
Aber was ist schon ein vielleicht ermorĀ­deĀ­ter Soldat gegen einen tatsƤchĀ­lich ermorĀ­deĀ­ten ThronĀ­folĀ­ger? Als wƤre das geglĆ¼ckte AttenĀ­tat auf die MonarĀ­chie nicht genug BedroĀ­hung fĆ¼r den ohnehin brĆ¼chiĀ­gen Frieden, wird auch noch die EntfĆ¼hĀ­rung der LeichĀ­name von Franz FerdiĀ­nand und seiner Frau angekĆ¼nĀ­digt.
EigentĀ­lich will der junge, dem Radsport ergebene IspetĀ­tor Gaetano Lamprecht mit Politik nichts zu tun haben. Alles, was sich der hitzkƶpĀ­fige HalbiĀ­taĀ­lieĀ­ner, der Wien nach einem Duell verlasĀ­sen musste, wĆ¼nscht, ist, dass er VerbreĀ­cher zur Strecke bringen und mit seinem Rennrad trainieĀ­ren darf. Und dass es den Menschen in Triest weiterĀ­hin gut geht. DesweĀ­gen hƤlt er auch von den NatioĀ­naĀ­lisĀ­ten wenig. Und Ć¼berhaupt, warum verlangt plƶtzĀ­lich jeder, dass er sich fĆ¼r die ZugehƶĀ­rigĀ­keit zu einer VolksĀ­gruppe entscheidet?

BuchtraiĀ­ler / Picus Verlag

šŸ’¬ Meine Meinung
ā€œEin Giro in Triestā€ ist kein Krimi nach 08/15-StrickĀ­musĀ­ter. Denn Klinger wirft die Frage auf, ob die BemĆ¼hunĀ­gen des IspetĀ­tors, den Frieden zu bewahĀ­ren, letztĀ­endĀ­lich nicht genau das GegenĀ­teil bewirĀ­ken. AbgeseĀ­hen von dem histoĀ­risch spannenĀ­den Setting ist der Roman dramaĀ­turĀ­gisch geschickt gewebt und in einer unaufĀ­geĀ­regĀ­ten, ruhigen Sprache verfasst. Selbst wƤhrend der spannenĀ­den Szenen blƤttert man dadurch nie zu ungedulĀ­dig oder gar entnervt weiter, denn Klinger lƤsst es erst gar nicht so weit kommen. Beispiel: AusgeĀ­rechĀ­net als Gaetano Lamprecht massiv unter Zeitdruck gerƤt, schiebt der Autor seelenĀ­ruĀ­hig ein Kapitel aus der VerganĀ­genĀ­heit seines ProtagoĀ­nisĀ­ten ein. Und natĆ¼rĀ­lich ist es genau jener RĆ¼ckblick, auf den man schon so lange gewarĀ­tet hat.
Gerade dieser Mix aus guter RecherĀ­che, klugem Plot, ruhigem ErzƤhlĀ­ton und trotzĀ­dem stetig zunehĀ­menĀ­dem Tempo (denn der leidenĀ­schaftĀ­liĀ­che IspetĀ­tor gerƤt mehrmals in ƤuƟerst brenzĀ­lige SituaĀ­tioĀ­nen) macht diesen Krimi zum wahren LesegeĀ­nuss.
Und am Ende, als schon fast alles geklƤrt ist, gibtĀ“s noch eine ƜberraĀ­schung aus der Verwandtschaft. 

Fazit: Eine ganz klare EmpfehĀ­lung, selbst fĆ¼r jene, die Krimis selten lesen. 

Die LiebenĀ­den von der Piazza Oberdan steht jetzt jedenĀ­falls wieder weit oben auf meiner unbewƤlĀ­tigĀ­baĀ­ren Liste der noch zu lesenĀ­den BĆ¼cher.
Ach ja, und falls man mich demnƤchst mit einem PutzkĆ¼Ā­bel im SchwimmĀ­bad antrifft, dann ist daran ebenfalls ChrisĀ­tian Klinger schuld! šŸ™‚

Titel: Ein Giro in Triest
(Gaetano Lamprechts erster Fall)
Autor: ChrisĀ­tian Klinger
Genre: histoĀ­riĀ­scher KrimiĀ­nalĀ­roĀ­man
Verlag: Picus
PubliĀ­kaĀ­tiĀ­onsĀ­jahr: 2022
Seiten: 296
ISBN:  978ā€“3ā€‘7117ā€“2116ā€‘7
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