📘 MONTAGS BEI MONICA

Titel: Montags bei Monica
Autorin: Clare Pooley

❀ Manchmal weiß man, dass man eigentlich kein neues Buch aus der Bücherei mitnehmen sollte. Weil zu Hause nämlich ein ganzer Stapel ungelesener Bücher wartet – jene, die man gekauft/ geschenkt bekommen hat, jene, die man rezensieren möchte, und dann steht da noch das letzte Büchereisackerl herum und man weiß: Ein Buch mehr bedeutet, dass man es nie und nimmer schaffen wird, alle rechtzeitig zu lesen …
Aber manchmal muss man trotzdem zugreifen.
Montags bei Monica hatte nämlich schon einmal meine Aufmerksamkeit erregt, als es bei Facebook als Lesetipp rumschwirrte. Und da stand es plötzlich. Dick und gerade zurückgegeben, auf dem Regal mit jenen Büchern, die angeblich besonders gern und oft ausgeborgt werden. Schwupp, und schon hatte ich es in meinem Sackerl (das ich eigentlich ausnahmsweise mal leer nach Hause tragen wollte …).


🔖 Inhalt:
Viel muss hier gar nicht verraten werden. Monica betreibt ein Café der besonderen Art (mit einem talentierten Barista, persönlicher Bedienung, alten Möbeln und Büchern) in Fulham. Eines Tages findet sie ein Heft (eine “Kladde”), die den Titel: “Projekt Aufrichtigkeit” trägt. Darin steht das Geständnis eines alten Malers, der von seiner Einsamkeit und von seiner Ehe erzählt, in der er nicht gerade ein Gentleman war. Julian vermisst seine verstorbene Mary unendlich und bereut es, 40 Jahre lang so ein schrecklicher Egoist gewesen zu sein, der Mary oft zum Weinen brachte.
Wirklich sympathisch ist er nicht, der fremde Künstler, aber Monica hat Mitleid. Also organisiert sie einen Malkurs in ihrem Café, und Julian soll natürlich der Lehrende sein. Und dann schreibt sie selbst in das Heft (uns ist dabei furchtbar ehrlich, so wie das Projekt es verlangt) und lässt das Heft in einer Weinbar liegen. Dort gerät es an Hazard, der gerade seinen Job hingeschmissen hat und sein Leben ganz von vorn beginnen möchte. Und zwar ohne Drogen und Alkohol, was gar nicht so einfach ist. Und so reist Hazard in die Ferne und nimmt das Heft mit.
Nach und nach macht das Projekt Aufrichtigkeit seine Runde und führt die Menschen zueinander. Doch sind sie wirklich alle so aufrichtig, wie sie einander weismachen wollen? Denn gerade als man als Leser:in denkt: Jetzt kommt es, das fette Happy End und schon gerührt die Tränen in den Augen hat, dreht sich die Handlung plötzlich um und alles ist ganz anders als gedacht …

Clare Poley (die im Übrigen einen Blog betreibt, in dem es ebenfalls viel um Aufrichtigkeit geht — gelogen wird in den sozialen Medien schließlich zur Genüge) hat mit “Montags bei Monica” eine entzückende Geschichte über Einsamkeit, Liebe und Freundschaft geschrieben, die man ganz eindeutig in die Schublade “Wohlfühlroman” schieben darf. Ein bisschen wie “Gemeinsam ist man weniger allein”, ein bisschen wie “Die fabelhafte Welt der Amélie”. Zauberhaft geschrieben, wird einem beim Lesen so richtig warm ums Herz. Pooley schiebt ihre Protagonist:innen abwechselnd in den Vordergrund, sodass wir einmal in diesen und dann wieder in den anderen Kopf schlüpfen dürfen und erkennen, wie oft wir unsere Menschen doch in Schubladen stecken ohne sie zu kennen. Und selbst wenn wir sie kennen, wissen wir auch nur selten, wie sie wirklich fühlen oder denken. 

Fazit:
“Montags bei Monica” ist ein entspannender, herzerwärmender, 400-seitiger Lesegenuss, so richtig zum Unter-die-Decke-kuscheln-und-seufzen. Ein bisschen kitschig, aber nicht zu sehr und mit ganz viel Liebe und feinem Humor geschrieben. 

Stadtbibliothek Graz


Titel: Montags bei Monica
Autorin: Clare Pooley
Übersetzung: Aus dem Englischen von Stefanie Retterbush
Verlag: Goldmann
Publikationsjahr: 2021
Seiten: 432
ISBN: 978–3‑442–20628‑5
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