📘 DIE ROTTE

🖊 Ein Buch, das mich wahnsin­nig ergrif­fen hat, von der ersten Seite bis zur letzten


Elfi Reisin­ger wächst auf einem ärmli­chen Hof auf. Der Vater leidet unter Depres­sio­nen, die Mutter, Lisbeth, ist dieje­nige, die alles mühevoll zusam­men­hält, jedoch kein Verständ­nis für die Krank­heit ihres Mannes hat. Schließ­lich nimmt sich Elfis Vater das Leben (so heißt es zumin­dest). Sein Körper wird erst Monate später am Grund des Sees gefun­den, zu dieser Zeit ist Elfi bereits verhei­ra­tet, doch auch ihre Ehe ist nicht glück­lich, denn ihr Mann Franz wird in der Rotte nie akzep­tiert und häuft Schul­den um Schul­den an. Als Franz einen Schlag­an­fall erlei­det und stirbt, bleibt Elfi allein zurück – mit der pflege­be­dürf­ti­gen Mutter und ihrem Sohn Herbert, der noch ein Baby ist.
Und immer steht der Firnbich­ler bereit, der Elfi den Seegrund abkau­fen will – zuerst mit “gedul­di­gem” Zureden und schließ­lich mit Drohun­gen und regel­rech­tem Psycho­ter­ror. Denn wie soll das die Elfi schon schaf­fen mit dem Hof, so ganz allein, als Frau?

Es ist ein sehr öster­rei­chi­scher, aber auch ein sehr poeti­scher Ton, den Marcus Fischer für seinen Roman “Die Rotte” gewählt hat und der tief eintau­chen lässt in die Haut und die Gedan­ken der jungen Bäuerin. Denn Elfi leidet – wie schon ihr Vater – an schwe­ren Depres­sio­nen. Als sie schließ­lich ganz allein übrig bleibt, mit der kranken Mutter, dem Säugling und einem Berg Schul­den, zieht sie sich komplett in sich zurück und verbar­ri­ka­diert sich am Hof. So lernen wir sie am Beginn kennen, denn der Roman wird in Rückbli­cken erzählt. 

“Die Rotte” beginnt still und unheim­lich – und zieht einen hinein in einen Sog. Marcus Fischer nähert sich seiner Protago­nis­tin mit unheim­lich zartem Einfüh­lungs­ver­mö­gen. Dem gegen­über stehen die bruta­len Reaktio­nen der Dorfbe­woh­ner – und Dialoge, die so lebens­echt sind, dass man meinen könnte, man stünde direkt daneben. 

Die Rotte geht an die Nieren und ans Herz. Da schmerzts und gruselts beim Lesen, aber so richtig. Denn selbst wenn die Handlung frei erfun­den ist, so weiß man, dass der Roman die brutale Lebens­rea­li­tät in einem Provinz­nest in den 70ern einfängt. 

Ein absolut inten­si­ves und sehr empfeh­lens­wer­tes Buch – mit einem überra­schen­den Ende!

Mehr zum Buch und zum Autor gibt’s dann im Herbst auf oeda.at, wenn der neue Morgensch­tean erscheint.

Autor: Marcus Fischer
Verlag: Leykam
Publi­ka­ti­ons­jahr: 2022
Seiten: 304
ISBN: 978–3‑7011–8251‑0
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