📗 Mein genia­ler Tod

Beliebt sein kann auch stres­sig werden

Sigge kann es noch gar nicht fassen. Anders als in seiner Klasse in Stock­holm, wo er gemobbt wurde, ist er in seiner neuen Klasse beliebt. Selbst die Zwillinge Sixten und Jona, die mit dem Skate­board unterm Arm rumren­nen und lässige Sprüche klopfen, finden ihn cool. Und sie möchten, dass Sigge mit ihnen als „6 10 Apple“ bei der Weihnachts­feier auftritt. Dabei kann Sigge doch gar nicht rappen! Und haben die beiden überhaupt schon eigene Texte?
„Chillen statt killen“, meinen Sixten und Jona, die lieber an ihrem Image als Old-School-Hip-Hopper feilen als an den (noch nicht existie­ren­den) Liedern. 

Bei all dem Stress ist es kein Wunder, dass Sigge komplett auf seine beste Freun­din vergisst. Dabei entwi­ckelt Juno, die gern bunte Perücken und Kimonos trägt, gerade die App “Happy Animals”. Und die hat Sigge immer­hin mit ihr gemein­sam entwor­fen. Aber nun geht er sehr nicht ans Telefon, schwänzt plötz­lich die Schule und lässt Juno bei einem wichti­gen Termin hängen.

Alltags­pro­bleme im schrä­gen Setting 

„Mein genia­ler Tod“ ist ein Jugend­buch, das mit so viel Humor und Herzens­wärme geschrie­ben ist, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die Ängste und Sorgen von Sigge (es geht ums Nein-sagen-Lernen) sind stets nachvoll­zieh­bar, die Situa­tio­nen, in die er gerät, kennt wohl (fast) jeder Jugend­li­che. Auch bei den Figuren hat man das Gefühl, dass man sie irgend­wie kennt, auch wenn Jäger­feld sie sehr stark überzeich­net. Wie etwa Sigges Oma, die im Zebra-Hosen­an­zug rumläuft, Kette raucht, auf ausge­stopfte Tiere steht und sich über die Überwa­chungs­me­tho­den des Weihnachts­manns mokiert. Oder auch Sigges nervige Schwes­ter Majken, die beim Krippen­spiel Jesus sein darf, plötz­lich alles über die “heilige Geiß” weiß UND EINFACH NICHT IN NORMA­LER LAUTSTÄRKE REDEN KANN. (Majken, die dann ihre beiden Meerschwein­chen mittels vieler, vieler Helium­bal­lons auf die Reise schickt, um einen Film zu drehen.) 

Und dann gibt es noch den eigent­lich schüch­ter­nen Krille Marzi­pan, der sich für seine erste Statis­ten­rolle beim Werbe­fern­se­hen vorbereitet. 

Mit seinen 410 Seiten bewegt es sich das Buch an der Grenze zum Jugend­buch (warum es bei mir in beiden Katego­rien landet). Ein Spaß ist es aber sowieso für alle von 10 bis 110. Ich jeden­falls bin aus dem Lachen gar nicht mehr heraus­ge­kom­men und werde mir den Vorgän­ger „Mein genia­les Leben“ (das übrigens gerade für den Deutschen Jugend­buch­preis nominiert ist) auch nach Hause holen.

(Dieses Buch habe ich auch für roterdorn.de rezensiert)

📙 Infos zum Buch:
Titel: Mein genia­ler Tod
Autorin: Jenny Jäger­feld
Überset­zung aus dem Schwe­di­schen: Brigitta Kiche­rer
Verlag: Urach­haus
Publi­ka­ti­ons­jahr: 2022
Seiten: 410
ISBN: 978–3‑8251–5317‑5
Alter: ab 10
>Verlag / Leseprobe

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