šŸ”« BULLAUGE

šŸ–Š hochakĀ­tuĀ­ell und intensiv

Bei einem Einsatz auf einer DemonsĀ­traĀ­tion verliert der StreiĀ­fenĀ­poĀ­liĀ­zist Kay OleanĀ­der ein Auge. Seitdem trƤgt er eine AugenĀ­klappe und ist im KrankenĀ­stand. Die anderen sehen in ihm einen VersehrĀ­ten und empfinĀ­den Mitleid, erwarĀ­ten aber auch, dass OleanĀ­der sich in die neue SituaĀ­tion fĆ¼gt. Obwohl er selbst das GefĆ¼hl hat, dass es ihm gar nicht so schlecht geht ā€“ immerĀ­hin sieht er mit nur einem Auge doch genauso gut ā€“, weiƟ er, dass er nach seiner RĆ¼ckkehr in den InnenĀ­dienst wechseln muss. Doch OleanĀ­der hat seinen Job gern ausgeĀ­Ć¼bt, trotz der SchwieĀ­rigĀ­keiĀ­ten und HerausĀ­forĀ­deĀ­runĀ­gen. Wenn er jetzt in den Spiegel sieht, erkennt er ein nutzloĀ­ses Wrack. OleanĀ­der pendelt zwischen Wut, SelbstĀ­hass und SelbstĀ­mitĀ­leid. Als er schlieƟĀ­lich private ErmittĀ­lunĀ­gen zu seinem eigenen Fall aufnimmt, da die KolleĀ­gen nicht weiterĀ­komĀ­men (oder es auch gar nicht erst so wirklich versuĀ­chen, wie es ihm vorkommt), stĆ¶ĆŸt er auf den Namen einer Frau und eine Adresse.
Doch ist Silvia Glaser, die sich nach einem FahrradĀ­unĀ­fall, an dem ein StreiĀ­fenĀ­waĀ­gen Schuld hatte, auf einen Gehstock stĆ¼tzt und OleanĀ­der von einem bevorĀ­steĀ­henĀ­den AttenĀ­tat der rechtsĀ­exĀ­treĀ­men Szene erzƤhlt, die WerfeĀ­rin der Flasche? 

FriedĀ­rich Ani hat eine intenĀ­sive Geschichte Ć¼ber zwei Versehrte geschrieĀ­ben, die schlieƟĀ­lich zueinĀ­anĀ­der finden und beschlieĀ­ĆŸen, einen Anschlag, von dem nicht sicher ist, ob, wann und wo er stattĀ­finĀ­den soll, zu verhinĀ­dern versuĀ­chen. Ganz ohne kĆ¼nstĀ­liĀ­che DramaĀ­tik und mit viel EinfĆ¼hĀ­lungsĀ­verĀ­mƶĀ­gen sich der Autor seinen Figuren und erzƤhlt von lebensĀ­verĀ­Ć¤nĀ­dernĀ­den VerletĀ­zunĀ­gen und dem Wunsch, das Richtige zu tun. Doch OleanĀ­ders Einsatz geht schief ā€“ und am Ende muss OleanĀ­der sich fragen, ob es nicht besser gewesen wƤre, erst gar nicht auf eigene Faust zu ermitĀ­teln. Bullauge ist ein hochakĀ­tuĀ­elĀ­les Buch einerĀ­seits Ć¼ber die Arbeit der Polizei, die sehr frustrieĀ­ren kann, und andererĀ­seits Ć¼ber die AusschreiĀ­tunĀ­gen der rechten Szene und die persƶnĀ­liĀ­chen GrĆ¼nde, warum manche Menschen, die bisher nie auffieĀ­len, den Parolen und VerschwƶĀ­rungsĀ­theoĀ­rien der Hetzer glauben.

> meine RezenĀ­sion auf roterdorn.de

Titel: Bullauge
Autor: FriedĀ­rich Ani
Verlag: Suhrkamp
PubliĀ­kaĀ­tiĀ­onsĀ­jahr: 2022
Seiten: 267
ISBN: 978ā€“3ā€‘518ā€“43032ā€‘3
> Verlag / Leseprob

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