📘 Im Dschun­gel um acht, bis einer lacht

> eine ausführ­li­chere Rezen­sion von mir gibt es auf roterdorn.de

Auf der Bühne fürs Leben lernen

Die sechzehn­jäh­rige Isabel fühlt sich in ihrer eigenen Familie wie das fünfte Rad am Wagen, denn niemand inter­es­siert sich für das, was sie zu sagen hat. Selbst ihr Freund Alex, der sie so oft wie möglich sehen will und jeden ihrer Wege kontrol­liert, hört ihr nie richtig zu. Als sie eines Tages in ein Lokal stolpert, in dem gerade ein Open Mic für Stand Up Comedy statt­fin­det, nimmt die Schüle­rin die Heraus­for­de­rung an und landet auf der Bühne. Und endlich hört ihr jemand zu.

Katie Henry lässt die 16-Jährige auf die drei Student:innen Mo, Jonah und Will stoßen. Sie alle haben Migra­ti­ons­hin­ter­grund, Mo ist obendrein noch lesbisch. Kein leich­ter Start für junge Comedi­ans. Und doch nehmen sie die hübsche Izzy (die sich natür­lich älter macht) unter ihre Fitti­che und bringen ihr nicht nur bei, wie man gute Comedy macht, wie man mit Hecklern umgeht und die Nervo­si­tät besiegt, sondern auch, wie wichtig es ist, aus den Schub­la­den, in die uns andere stecken, auszu­bre­chen. Auf der Bühne lernt Isabel, dass es nicht darum geht, beliebt zu sein, sondern etwas zu sagen zu haben und dazu zu stehen. Es gibt nur ein Gebot: Niemals nach unten treten.

Als sie als einzige aus dem Freund­schafts­quar­tett für eine Show gebucht wird und vom Manager sexuell beläs­tigt wird, muss sie erken­nen, dass auch sie in einer Schub­lade steckt. Und dass auch sie sich wehren muss. 

Das Selbst­ver­trauen, das Isabel durch die Bühne und vor allem durch ihre Freund­schaft zur lesbi­schen Irane­rin Mo gewinnt, nimmt auch immer mehr Einfluss auf ihren Alltag. Plötz­lich macht Isabel den Mund auch zu Hause auf – und stellt fest, dass ihre Schwes­ter und ihre Mutter nie etwas von ihren Gefüh­len wussten. Schritt für Schritt nabelt sie sich auch von Alex ab. Doch ihre Lügen zerbre­chen fast die Freund­schaft zu Mo, Jonah und Will – und Isabel muss einse­hen, dass eine Entschul­di­gung kein magischer Schwamm ist, und dass Verlet­zun­gen, die sie anderen zugefügt hat,  Wunden sind, die langsam heilen und Narben hinterlassen. 

Fazit

Im Dschun­gel um acht, bis einer lacht ist ein flott geschrie­be­nes, humor­vol­les Buch. Vor allem aber ist es ein so wichti­ges Buch. Denn Isabel aka Izzy durch­lebt Situa­tio­nen, in die fast alle Mädchen und junge Frauen irgend­wann geraten. Es geht um sexuelle Beläs­ti­gung, von verbal bis körper­lich, um toxische Bezie­hun­gen, ums Nein-Sagen. Und darum, ganz klar zu äußern, was man fühlt und denkt, ohne Angst haben zu müssen, nicht mehr geliebt zu werden. 

📕Buchin­fos:
Titel: Im Dschun­gel um acht, bis einer lacht
Autorin: Katie Henry
Überset­zung aus dem Ameri­ka­ni­schen: Katha­rina Diestel­meier
Verlag: Magel­lan
Publi­ka­ti­ons­jahr: 2022
Seiten: 400
ISBN: 978–3‑7348–506
Alter: ab 14
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