📘MÄNNER TÖTEN

Titel: Männer töten
Autorin: Eva Reisinger

»In Engelhartskirchen gibt es keine Fälle von häuslicher Gewalt. Keine Sexualdelikte. Keine Frauenmorde. Nichts!«

In diese scheinbar idyllische Pampa folgt Anna Maria, die jahrelang in Berlin gejobbt hat (Stichwort schlecht bezahlte Praktikumsstelle), dem Jungbauern Hannes. Ihre Freundinnen sind entsetzt. Einem Mann in die Provinz folgen? – Das sei doch alles andere als emanzipiert! Doch Anna Maria fühlt sich immer wohler in dem Kuhkaff, in dem die Frauen ihr Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten. Denn Engelhartskirchen ist anders. Selbst im Gottesdienst predigt ausschließlich die Pastoralassistentin Helga, denn einen Pfarrer hat das Dorf schon länger nicht mehr. Was aber am allermeisten auffällt: Sämtliche Exmänner scheinen tot oder verschollen zu sein.

Männer töten … eindeutig zu oft in Österreich. Zu dem Zeitpunkt, in dem diese Rezension enstand*, gab es allein im Jahr 2023 bereits sechzehn mutmaßliche Femizide und sechsundzwanzig Mordversuche an Frauen. 
Männer töten … Wäre das die Lösung? Quasi als Vorbeugung? Oder auch einfach, weil Rache befreit? 

Wer jetzt glaubt, »Männer töten« sei zu radikal und nichts für schwache Nerven, den*die kann ich fast schon beruhigen: Die knappe, sehr distanzierte und trotzdem peppig-freche Erzählweise führt dazu, dass sich die Schicksale der Frauen und auch ihre Taten fast schon mit Leichtigkeit weglesen. Das mag beabsichtigt sein – meiner Meinung nach aber hätten dem Roman mehr Wut und auch Trauer durchaus gut getan. Denn die Vorgeschichten der Frauen haben es in sich.

* Diese Rezension entstand Anfang August für die Literaturzeitschrift &Radieschen. Bis wir die Sendung aufnahmen — nur einen Monat später — war die Zahl erneut nach oben geklettert. 

Buchinfos:
Titel: MÄNNER TÖTEN
Autorin: Eva Reisinger
Buchverlag: Leykam
Erscheinungsjahr: 2023
Seiten: 288
ISBN: 978–3‑7011–8297‑8